Villarrica - San Martín de los Andes

30. Januar 2008

Villarrica - Lincan Ray - Coñaripe - Termas de Pellaifa - Neltume - Puerto Fuy - Puerto Pirihueico - Hua Hum (ab hier Argentinien) - Lago Nonthué - San Martín de los Andes
Total: 554km / 7760 Hoehenmeter


In Villarrica erholten wir uns praechtig bei Vollkornbrot und viiielen frischen Fruechten im Schatten des gemuetlichen Torre Suiza Hostals bei Claudia und Beat. Wir waren zumindest an einem Tag aber nicht ganz untaetig und bestiegen in ca. 4 Stunden den 2847m hohen noch aktiven Vulkan Villarrica mit guía Guido (aus dem Thurgau…) und Lucas (ein Argentinier in Chile…). Trotz ziemlichem Touri-Ansturm war es ein super Erlebnis. Wir setzten uns zu neunt ziemlich bald ab und stampften schon bald fast alleine durch den Schnee vorne weg. Oben auf dem Krater gab’s zuerst mal einen Gipfelwein (danke Adi!) und dann machten wir uns auf die Tour um den Krater (ca. 200m Durchmesser). Leider sahen wir keine gluehende Lava, doch der aufsteigende Rauch reizte unsere mit Staub belegten Lungen. Wir haben aber einen super truper Tag erwischt. Fast kein Woelkchen und super Rundumsicht ueber die vielen Vulkane und Huegel, die wir noch alle abradeln werden ;-) Chile ist halt effektiv kein flaches Land!!! Und ist es flach, erschwert der Strasseningeneur das Biken mit Schotterpisten. Wenn du bei flacher Strasse nur 5km/h radeln kannst, ist das fast schlimmer als mit 3km/h bergauf zu keuchen. Dann weisst du wenigstens, dass es irgendwann wieder runter geht und es gut war, nicht zu rauchen… ;-)

Auch wenn sich das jetzt vielleicht anders angehoert hat. Wir lieben Chile mit all seinen Schotterstrassen, Subidas und vor allem die Leute! Schweren Herzens, bepackt mit ganz viel feinem Brot, verlassen wir am Samstag Villarrica und radeln ein Stueck auf geteerter Strasse Richtung Sueden. Bei den Termas de Pellaifa stoppen wir am ersten Abend und schlagen nach den weichen Betten in Villarrica wieder unser Zelt mit den noch weicheren Matten auf. Der Camping ist voll mit chilenischen Touris und irgendwie scheinen wir eine kleine Attraktion zu sein. Ein Papa erklaert seinem Sohn gross: Mira, la gringuita que viaje en bici (schau, das ist die kleine Auslaenderin die per Velo reist…). In den beiden Termalbecken, die zum Camping gehoeren, harren wir nur kurz aus - nur so lange uns die Bakterien, die sichtbar im Wasser schwimmen, nicht befallen koennen. Wenn schon dreckig, dann richtig. Wir stuerzen uns ins Schlammbad und suhlen uns darin. Es soll scheinbar heilende Wirkung haben. Mal schauen, wie die Beine morgen moegen…?¿?

Auf dem Weg nach Puerto Fuy suchen wir verzweifelt nach einem Schattenplaetzchen. Als wir vor einem einsamen Haus drei Typen sehen, fragen wir, ob wir ein bisschen zu ihnen hoch in Schatten sitzen duerfen, um Mittag zu essen. Nach der obligaten Nachfrage bei der dueña (Besitzerin), setzen wir uns zu ihnen ans Feuer. Sie sind naemlich gerade daran, zwei grosse Stueck Lamm am Spiess ueber dem Feuer zu braten. Wir essen unser Lunch und unterhalten uns ein wenig mit ihnen. Sie sind hier auch nur zu Besuch - der jefe sei gerade unterwegs nach Neltume, um Bier und Wein zu holen - mit dem Pferd natuerlich!

Wir wollten eigentlich schon wieder aufbrechen, als Dagoberto (der jefe) mit voll bepackten Taschen zurueck kehrt. Er hat sichtlich Freude an uns und laesst uns als allererstes die Spezialitaet «Lamm-Hoden» probieren ;-) Yammmie… Darauf sollen wir ihm ins Haus folgen, wo bereits fuer uns getischt war. So sassen wir den ganzen Nachmittag mit Dagoberto, seiner Frau Bella, Juan, Brian und Jorge am Tisch und schlugen uns die Baeuche ein zweites mal voll. Neben dem super feinen Lamm gab es aus dem eigenen Garten zig verschiedene Gemuese und Salate. Was fuer ein Festessen!!! Es folgte Wassermelone und unsere letzte Schweizer Schoggi - ans Weiterfahren war noch nicht zu denken - die Baeuche waren einfach zu voll!!! Und wir genossen es, mit diesen super lieben Chilenen zu sprechen ueber Gott und die Welt, ueber Chile und die Schweiz. Um 18h00 machen wir uns nach der Besichtigung des Gemuesegartens und zig Fotos schweren Herzens auf den Weiterweg. Was fuer ein Erlebnis!!! Waere das bei uns moeglich???
In Puerto Fuy angekommen, haben wir die letzte Faehre natuerlich verpasst. So zelten wir und morgens frueh um 8h00 fahren wir in 90 Minuten ueber den Lago Pirihueico, der an seiner breitesten Stelle gerade mal 1km breit ist. Und schon bald stehen wir das erste mal am Zoll. Der argentinische Zollbeamte fragt uns nachdem er uns unsere Paesse schon wieder zurueck gegeben hat noch so ganz beilaeufig, wohin wir heute noch fahren. Mit der Antwort «Richtung San Martín de los Andes» hat er wohl sichtlich nicht gerechnet. Glaubte er doch ernsthaft, dass wir Argentinien verlassen - obwohl wir gar nie eingereist sind!!! Das schien ihm nicht aufgefallen zu sein. Tja, so gab es einen zweiten Stempel darueber und eine Handnotiz «90 días». Unglaublich!
Beim super schoenen Camping am Lago Nonthué und Lago Lacar verbrachten wir zwei Tage, weil die Beine wie aus Blei waren und Ivonne’s Heuschnuppen-Attake eine Weiterfahrt verunmoeglichte. So genossen wir einen Tag am Strand und die Besichtigung per Velo des Wasserfalls im Nationalpark Lanin.
Ja und heute gab’s die erste Panne…. Ploetzlich ratterte Ivonne’s Hintergepaeck etwas gar fest auf der Schotterpiste. Die beiden Befestigungsteils unten am Rahmen fuer den Gepaecktraeger waren gebrochen - und das nach rund 1000km mit diesem teuren Velo. Tja, Swiss Quality ist nicht alles… Doch schnell montieren wir den Gepaecktraeger an der zweiten Oese und radeln weiter bis San Martín. Hier finden wir eine Schweisser-Werkstatt, die die beiden Teile ohne Probleme wieder anschweissten fuer ein Trinkgeld. Und wir sind zwei Spanisch-Woerter reicher. Soldar = schweissen / lima = Feile Hoffentlich brauchen wir sie einfach nie mehr…. ;-)))

Sodeli, das waer’s fuer ein erstes Mal aus Argentinien!

Wir senden euch sonnige Gruesse (es ist gerade 31 Grad…)
Dome & Ivonne



ps: foeteli git’s e andermol….