Cochrane - Villa O'Higgins

Freitag, 7. Maerz 2008

Cochrane - Caleta Tortel - [Puerto Yungai] - [Río Bravo] - Villa O’Higgins

Die Zusammenfassung sagt schon viel ueber diese ca. 250km lange Strecke aus. Abgesehen vom sehr speziellen Doerflein Caleta Tortel gibt es so gut wie nichts zwischen Cochrane und Villa O’Higgins. Puerto Yungai ist ein Militaercamp und Anlegestelle fuer die Faehre ueber den Fjord Mitchell mit kleinem Kiosk und Río Bravo ist nichts mehr als eine Betonrampe als Anlegestelle fuer die gleiche Faehre mit einer kleinen Schutzhuette.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen war dies einer der schoensten Streckenabschnitte der Carretera Austral. Alle paar Hundert Meter ein Baechlein oder Wasserfall mit eiskaltem Gletscherwasser und die taeglich gesehenen Autos konnten wir meist an ein bis zwei Haenden abzaehlen. Und dies alles ohne Handy - wieso auch, hier funktioniert sowieso nur das Funkgeraet und die lokale Radiostation im Dorf. Und vermissen tun wir dieses in der Schweiz schon fast unabdingbare Teil sowieso kein bisschen!

Caleta Tortel ist ein Dorf, welches bis vor vier Jahren nur per Boot oder Flugzeug(lein) erreicht werden konnte. Im Dorf gibt es weder Autos noch Strassen. Die Haeuser sind alle auf Stelzen gebaut und werden durch Passarellen / Holzstege miteinander verbunden. Radfahren ist auch Fehlanzeige, denn hier gilt es, Treppen hoch und runter zu steigen inkl. dem ganzen Gepaeck. Auf unserem Erkundungsspaziergang stossen wir auf zwei Einheimische, die einen 250kg schweren Holzofen an einem Balken hoch zur Huette schleifen wollen. Wir bieten spontan unsere Hilfe an und so schleppen wir zu viert dieses Teil die steilen Treppen hoch. Als Dank gibt’s Wein und frische Fruechte aus Coyhaique, welche hier im Sueden defintiv eine Mangelware sind! Am folgenden Abend kochen wir zusammen mit dem neuen Besitzer des Ofens, dem Feuerwehrkommandanten (die haben ein cooles Feuerwehrboot - Fotos folgen), tutos de pollo (Pouletschenkeli - mehr gibt’s hier nicht), trinken Wein und sprechen ueber Gott, die Feuerwehr und die Welt.

In Puerto Yungai schlagen wir uns am kleinen Kiosk die Baeche voll mit super feinen Empanadas fritas und Kuchen - was fuer ein Luxus! Danach geht’s mit der Faehre nach Río Bravo, wo wir auch gleich im kleinen Refugio uebernachten. Die letzten 100km der Carretera Austral geniessen wir bei Nieselregen, Sonnenschein und Wind. Mittendrin zelten wir neben einer kleinen Schutzhuette, in welcher Ernesto lebt, der 10 Tage das Vieh seines Sohnes huetet, der zur Zeit in Coyhaique auf Shoppingtour weilt. So geniessen wir unseren letzten Abend auf der Strecke in der warmen «Stube» bei Tee und Popcorn, welches wir Ernesto zu seiner grossen Freude zum Dessert servieren. Auch wenn das Wetter bis jetzt meist ueberdurchschnittlich sonnig und freundlich war, wird es nun auch merklich kuehler, vor allem sobald die Sonne weg ist.

Seit gestern sind wir nun in Villa O’Higgins in der sehr netten Hospedaje Fabiana bei Lolo und Papo. Bevor das letzte Stueck der Carretera im 1999 eroeffnet wurde, tickte das Leben in Villa O’Higgins noch etwas anders. Man benutzte argentinische Pesos und auch die Versorgung lief fast ausschliesslich ueber den Lago O’Higgins nach Argentinien.

Morgen machen wir uns ebenfalls auf einem dieser Wege auf nach Argentinien. Per Boot, Velo und zu Fuss werden wir den Grenzuebergang suchen und ueberschreiten. Mehr das naechste mal…

Un abrazo & hasta luego

Dominik & Ivonne