Villa O'Higgins - El Calafate

Samstag, 15. Maerz 2008

Villa O’Higgins - Candelario Mansilla - Lago Desierto - El Chaltén - Luz Divina - Calafate

Morgens um 7h15 radelten wir in der vollen Regenmontur von Villa O’Higgins los Richtung Bootanlegestelle und erreichten nach 8km das effektive Ende der Carretera Austral. Zum Glueck wurde das Wetter aber immer besser und so wurde die Bootfahrt auf dem Lago O’Higgins zu einem richtigen Highlight. Wir fuhren naemlich nicht nur die 3 Stunden rueber nach Candelario Mansilla, sondern machten noch einen Abstecher zum Gletscher O’Higgins. Wir fuhren vorbei an abgebrochenen Eisschollen und erreichten nach 2 Stunden Fahrt die Abbruchkante des 4. groessten Gletscher des Hielo Sur (suedliches Innlandeis). 3km breit und 60m hoch - unglaublich eindruecklich. Bei wunderschoenstem Wetter fuhren wir sicher eine Stunde lang der Abbruchkante entlang hin und her und schossen hunderte von Fotos. Nur unser Boot mitten in dieser unbeschreiblich schoenen Landschaft - ein Traum. Immer wieder brechen kleine Eisschollen ab und dann wieder absolute Stille… Als wir dann noch einen Pisco mit Gletschereis serviert bekommen, ist das Glueck perfekt :-)

Anschliessend fahren wir zurueck nach Candelario Mansilla und campen dort auf der wunderschoenen, einsamen Estancia von Ricardo. Er hat mehr als 100 Kuehe, 40 Pferde, Gemuese und Fruechte. Wir duerfen Kirschen und Aepfel frisch ab Baum probieren & er verkauft super feines Brot - was fuer ein Luxus! Zusammen mit anderen Reisenden machen wir abends noch ein Lagerfeuer und trinken Bier und Wein. Echt gemuetlich, aber ziemlich kalt…

Am anderen morgen geht’s dann endlich los. Schon soooo viel haben wir gehoert ueber diese abenteuerliche Grenzueberquerung nach Argentinien und wir sind auf alles gefasst. Unser Gepaeck lassen wir von Ricardo per Pferd transportieren und so wird die Ueberquerung zu einem riesen Spass!!! Nachdem wir den chilenischen Ausreisestempel in den Pass gedrueckt bekommen haben, geht’s etwa 8km hoch auf einem sehr steinigen Schotterstraesschen, dann flach durch den Wald bis wir zur effektiven Landesgrenze kommen. Einmal muessen wir einen Fluss ueberqueren, dessen Bruecke nicht mehr existiert. Ueber ein paar Bretter balancieren wir uns und unsere Raeder aber trocken ans andere Ufer. An der Landesgrenze endet das Straesschen und es geht weiter mit einen Trampelpfad. Immer wieder muessen wir Baumstaemme oder kleine Baeche ueberqueren. Dazwischen schwingen wir uns aber immer wieder auf den Sattel und geniessen die coole Fahrt ueber Stock und Stein. Hinzu kommt die super Sicht auf den Cerro Fitz Roy… toll!!! An der Argentinischen Grenzstation am Nordufer des Lago Desiertos bringen wir den jungen Zoellner etwas an Anschlag. Wir sind seine ersten Kunden und er ist masslos ueberfordert. Den Einreisezettel fuellt er mit Hilfe einer Vorlage fein saeuberlich aus. Doch dann, welche Farbe der Zettel ist fuer uns und welche muss er behalten? Da sollte aber noch ein Stempel drauf… doch wo ist ueberhaupt das Stempelkissen? Dann das Datum des Stempels manuell mit Pinzette anpassen, einen Zettel zum Testen finden, feststellen, dass heute der 9. und nicht der 6. Maerz ist, nochmals anpassen und testen und dann die Zettel stempeln… Und was…??? nun wollt ihr auch noch einen Stempel im Pass??? Braucht’s das? Nachdem wir ihm alle unsere Stempel im Pass erklaert haben (Ein- und Ausreise pro Land), haben wir ihn ueberzeugt und er drueckt uns auch noch einen Stempel in den Pass. ;-)

Mit einem Boot fahren wir abends ans Suedufer des Lago Desiertos, wo wir campen und am naechsten Tag die 30km nach El Chaltén in Angriff nehmen. Die Strasse ist zum Teil ziemlich muehsam, doch die tolle Sicht auf den Fitz Roy entschaedigt. In El Chaltén angekommen, stoppen wir als allererstes bei der Panadería und schlagen uns die Baeche mit feinen Empanadas und suessen Facturas (= Stueckchen) voll. Wir sind zurueck in Argentinien!!! Danach haben wir aber doch zuerst einmal einen ziemlichen Kulturschock. Nach der einsamen und ruhigen Carretera Austral, wimmelt es hier von Touris, Touri-shops, Reiseagenturen und die Hauptsprache ist Englisch!!! Irgendwie too much fuer uns!!!

Nach einem regnerischen Ruhetag mit vielen Facturas wandern wir zur Laguna del Torre, da wir den Cerro Torre in seiner vollen Groesse bestaunen moechten. Bis jetzt haben wir naemlich nur die Spitze von weitem gesehen. Leider huellt sich der Torre den ganzen Tag in eine Wolke und wir bekommen ihn nicht zu Gesicht - trotz eigentlich schoenem Wetter. Umso eindruecklicher ist die Kulisse am andern Tag, die wir in unseren Rueckspiegeln bestaunen koennen. Der Cerro Torre und der Fitz Roy ohne auch nur ein einziges Woelkchen… So brauchen wir fuer die ersten 10km ueber eine Stunde - wir muessen immer wieder halten, zurueck schauen und staunen! Zudem entdecken wir in der nun sehr trockenen Steppenlandschaft immer wieder Nandus (die hier Choike heissen), Guanacos und auch zwei Fuechse. Befluegelt von diesen Erlebnissen radeln wir an diesem Tag 123km und am naechsten gleich nochmals 97km bis nach El Calafate. 220km in 2 Tagen - das ist unser Rekord. Und dies ohne je von Rueckenwind profitieren zu koennen!

El Calafate haut uns noch nicht um. Auch hier wimmelt es von Touris, Agenturen, Wechselstuben und sauteuren Souvenirlaeden. Es gibt hier aber ein feines patagonisches Bier, welches wir gestern Abend mit Mark & Tom, die wir seit Villa O’Higgins immer wieder mal zuefaellig getroffen haben, ausgibig getestet haben. Morgen machen wir uns auf zum Perito Moreno Gletscher - wir sind gespannt!!!

Fotos von Cochrane (Chile) bis Calafate (Argentinien) findet ihr acá

Viel Spass & herzliche Gruesse

Dome & Ivonne