Puerto Natales - Santiago

Mittwoch, 16. April 2008

Puerto Natales - Morro Chico - Villa Tehuelches - Punta Arenas - Santiago

Wir glaubten’s kaum, doch das Paeckli kam dann irgendwann doch noch an!!! Und das an einem Freitag Abend, wo wir uns doch schon fast damit abgefunden haben, ein weiteres Weekend in Puerto Natales zu verbringen…!!! Der samstaegige Fischerausflug mit Werner von der Casa Cecilia wollten wir uns aber doch nicht entgehen lassen. So wurde am Freitag Abend noch geschraubt, am Samstag Morgen unsere Fluege geplant und gebucht und am Samstag Nachmittag ging’s dann zum Fischen. Die etwa eineinhalbstuendige Fahrt im ziemlich vollen Auto (4 Erwachsene & 3 Kids) fuehrte durch eine wunderschoene Gegend mit tollem Ausblick auf Lagunen, Seen und das Torres del Paine Massiv. Leider wollten die Fische nicht beissen und so gab es zum Znacht ein Asado de Cordero (Lamm) statt Salmón (Lachs).

Am Sonntag war dann definitiv Aufbruch angesagt. Wir waren richtig «giggerig» endlich wieder zu radeln! So konnte uns auch das Hundewetter - es regnete in Stroemen - und der Temperatursturz nicht davon abhalten, los zu fahren. Gut genaehrt vom feinen Fruehstueck, verabschiedeten wir uns von unserem temporaeren «zu Hause» und nahmen die letzte Strecke im Sueden in Angriff. Es warteten 250km und etwa 3 Radeltage auf uns, die es wahrhaft in sich hatten… Am ersten Tag schafften wir in der Euphorie 100km und dies bei Dauerregen und schon ziemlich frischen Temperaturen. Zum Glueck konnten wir unter einem Dach campen und bekamen vom Señor Carabiniero (= Schugger) heisses Wasser fuer einen Eintrag in seinem wohl persoenlichen Velofahrer-Gaestebuch.

Am andern Tag war es draussen schon etwas weiss und es regnete noch immer. Wir brechen auf und nach etwa 15km faengt es an zu schneien. Am Anfang finden wir das noch lustig und machen Fotos. Doch als der Schneesturm immer heftiger wird, wir von oben bis unten weiss sind, kaum mehr was sehen und der Wind unerbittlich von vorne und der Seite blaest, wird es langsam gefaehrlich auf der rutschigen Fahrbahn. Ohne je ans Aufgeben gedacht zu haben, haelt ploetzlich ein Pick-up, der mit uns Erbarmen hat und uns aufladen moechte. Ivonne sagt sofort zu und Dominik hat keine Wahl!!! ;-) 20km weiter werden wir vor einem Café in Villa Tehuelches abgesetzt, wo wir uns am Ofen aufwaermen. Auch wenn es hier nicht mehr schneit, haben wir ueberhaupt keine Lust mehr auf eine Weiterfahrt, da es auf den naechsten 100km bis Punta Arenas keine Aussicht auf eine warme Nacht gibt. Und es fegt ein eisiger Wind. Selbst die Media Luna (Rodeoarena), wo hier angeblich alle Biker «windgeschuetzt» zelten, macht uns nicht an. So schauen wir mal in der Schule vorbei und der sehr nette Direktor verspricht uns gleich, uns was zu organisieren… In der Zwischenzeit besuchen wir eine kleine Klasse (4 Schueler!) beim Bastelunterricht und erzaehlen von unserer Reise und der Schweiz. Nach einer Weile kommt der Direktor wieder zusammen mit einer Mitarbeiterin der Gemeinde, die uns zu unserem Nachtquartier im Feuerwehrmagazin begleitet. Leider habe es aber keine Dusche, wir koennen aber um 18h00 die warmen Duschen von der Turnhalle benutzen… Alles bereits organisiert!!! Was fuer ein Luxus!!! Am anderen Morgen gibt es ein Erinnerungsfoto auf der Gemeinde (inkl. geschenktes Gemeindewappen) und in der Schule mit allen Kindern auf dem gedeckten Pausenhof. Was fuer ein tolles Erlebnis auf dem letzten Abschnitt unserer Veloreise im Sueden.

Die letzten 100km nach Punta Arenas werden hart - vor allem fuer Ivonne! Es regnet zwar nicht mehr, doch der eisige Wind gibt alles und kommt staendig von der Seite. Wir schaffen es aber trotzdem und quartieren uns in Punta Arenas im Keoken Hostal ein, wo wir es dann auch schaffen, die Fuesse wieder aufzutauen.

In Punta Arenas verbringen wir ein paar Tage, besuchen erstaunlich viele Museen (draussen ist es viel zu kalt…) und wagen uns auf einen Zodiak-Trip zu den letzten verbliebenen Pinguinen. Auch den Pinguinen ist es hier wohl zu kalt & sie ziehen Ende Maerz fuer den Winter nordwaerts. Ob es noch Pinguine hat oder nicht wissen wir leider auch heute noch nicht… Das Boot konnte auf der Insel wegen der tiefen Ebbe nicht anlegen. Was fuer ein Flopp!!! Dafuer haben uns auf den letzten Metern ein paar Delfine begleitet.

Am Sonntag checkten wir unsere schoen verpackten Bikes und all unser Bagage am Flughafen in Punta Arenas ein. 30kg pro Person waren inklusive, alle schweren Sachen hatten wir im Handgepaeck verstaut und trotzdem schafften wir es auf 14kg Uebergewicht, was aber niemand interessierte…!!!

Innert 3 Stunden ueberflogen wir dann die ganze Strecke, welche wir waehrend den letzten 3 Monaten per Velo zurueckgelegt haben… Wie schoen, alles nochmals Revue passieren zu lassen. knapp 3000km - ca. 35’000 Hoehenmeter - 50 Tage auf dem Stahlesel - 1 explodierter Schlauch - 2x schweissen - 1 Felgenriss - zig Asados - haufenweise Facturas - fast nur Weissbrot - Wein aus dem Tetrapack - Essen fuer 4 - Kiloweise Spaghetti mit Tomatensauce - Moerder-Zwiebeln - Costanuss Nougat - viel Eis (Glacé & Gletscher) - Calaminas (Wellblech) - Ripio (Schotterstrasse) - todo plano (alles flach… das meinten zumindest die Jeep-Fahrer…) - 76km/h - 4km/h - 250km unfreiwilige Busfahrt - 20km Pick-up - ñandus - Guanakos - Fuechse - Stinktier - Condore - Flamingos - viele Hunde-Gangs - Seen - Vulkane - Berge - Waelder - Araukarien - Steppe - Wind - Schnee - Regen - stechende Sonne - glasklare Wasserfaelle, Baeche und Fluesse und ganz viele tolle Begegnungen!!!

Wir haben die letzten 3 Monate im Sueden von Chile und Argentinien extrem genossen. Am Donnerstag fliegen wir in den Norden nach Caláma und werden von dort Richtung Bolivien und weiter nach Peru radeln. Ein ganz neues Abenteuer wartet auf uns…

Herzliche Gruesse y saludos

Dome & Ivonne

los ciclistos locos

Fotos zum Bericht findet ihr acá.