Uyuni - Potosí

Dienstag, 13. Mai 2008

Uyuni - Pulacayo - Ticatica - Chaquilla - Potosí

Nach einigen Ruhetagen und vermehrtem Besuch des Baños verliessen wir letzten Dienstag Uyuni mit dem Ziel Potosí. Immer noch mit flauem Gefuehl im Magen machten wir uns an die erste Steigung, die uns von ca. 3650 MueM. das erste mal auf 4000 MueM. brachte. Nach 20 km waren wir dann bereits schon platt und hielten im kleinen Minendoerfchen Pulacayo. Dort wurden wir sogleich im Touristoffice untergebracht, weil zurzeit eine auslaendische Firma, die Untersuchungen in der stillgelegten Mine durchfuert, die hiesigen Hospedajes belegt. Am Nachmittag kommen wir in den Genuss einer Dorffuehrung, wobei wir die ganze Geschichte der Mine erfuhren und die alten Lokomotiven hautnah besichtigen konnten, die die Minenerzeugnisse - vor allem Silber - an den Pazifik transportierten.

Am Folgetag gings dann weiter in Richtung Ticatica immer schoen hoch und runter, ueber Stock und Stein und teilweise durch sandige Abschnitte. In Ticatica leisteten wir uns das erste Mal eine «konfortable» bolivianische Unterkunft, weil es in den Naechten doch schon ernsthaft kalt wird und unsere Ausruestung nicht ganz auf solche Temperaturen eingestellt ist. Ein drei Bett-Zimmer in einer Lehmhuette mit Wellblech- und Strohdach ohne fliessend Wasser und dem Klo im Hinterhof mit wehendem Vorhang als Tuere.

Weiter fuehrte die Strecke ueber Paesse von ueber 4000 MueM. und sogleich wieder weit runter ins Tal, so dass jedes Mal klar war, es muss wieder hoch gehen, denn Potosí - unser Zielort und die hoechstgelegene Grossstadt der Welt - liegt auf 4070 MueM. Am vierten Tag erreichen wir dann auch Potosí nach einer Moerder-Etappe, die uns 5 x auf ueber 4000 MueM. (total 1455 Hoehenmeter auf 74.5 holprigen km) und an den Rand der koerperlichen Moeglichkeiten bringt. Mit der Aussicht auf eine warme Dusche, die wir seit vier Tagen nicht gesehen haben, ein warmes Bett und endlich wieder einmal Ausschlafen, schaffen wir auch noch die letzten 4 km und 200 Hoehenmeter vom Stadtrand hoch ins Zentrum. Durch endlosen Verkehr, huppende Autos und von Abgasen verschmutzte duenne Luft strampeln und stossen wir keuchend unsere Velos hoch ins Zentrum und zu unserem Hostal.

Am Sonntag ist Markt und wir schlaengeln uns durch die Marktstaende und bewundern die verschiedenen Angebote. Von Hosenknoepfen, ueber hunderte Shampoo-Flaschen an einem Stand bis haufenweise aufgestappeltes Frischfleisch und Gemuese wird alles angeboten. Auf einem anderen Markt werden alles Miniaturartikel angeboten. Diese Artikel sollen bei einem Kauf im richtigen Leben in Erfuellung gehen. So kann man zum Beispiel buendelweise Spielgeld erwerben, ein kleines Haus oder Uni-Abschluesse. Viel wird auch ueber Glueckslose verkauft. Auch wir versuchen unser Glueck und gehen das Risiko ein, bei einem Gewinn unzaehlige fritierte Suessigkeiten zu gewinnnen und somit vielleicht auch die allgemein befuerchtete «tourista».

Zu einem Aufenthalt in Potosí gehoert auch fast immer ein Besuch der Mine im Hausberg Cerro Rico, was bei uns den tollen Eindruck von Potosí doch auch etwas betruebt hat. Die knochenharte Arbeit und die Menschen-unwuerdigen Arbeitsbedingungen in dieser Mine bedruecken. Der Lohn fuer einen Sack Gestein mit Silber-, Zinn- oder Blei-Anteilen ist tief und die Minoere koennen meist nicht laenger als 10 bis 15 Jahre in der Mine arbeiten, bevor sie an einer Lungensilicose erkranken. Als Besucher bringt man den Minoeren, die selber aber sehr stolz sind auf ihre Arbeit, 95%igen Alkohol oder Kokablaetter mit, damit sie den Hunger und den Durst unterdruecken koennen und somit laenger unter Tage arbeiten koennen…

Potosí ist aber wohl auch die Stadt mit den meisten Kirchen. Frueher waren es 32, heute stehen noch deren ca. 27. Eine schoener, groesser, hoeher als die andere. Dieser Kirchenbauboom stammt aus der Zeit als Potosí dank seinen reichen Silbervorkommen im Cerro Rico im 17Jht. zur reichsten und groessten Stadt der Welt zaehlte.

Morgen werden wir uns wieder auf den Esel schwingen und die Strecke in Richtung Sucre unter die Raeder nehmen. Dies soll alles «plano» sein! Wir werden sehen. Eins ist aber gewiss, es ist wieder ein Mal eine asphaltierte Strasse zur Abwechslung.

Fotos zu diesem Bericht findet ihr hier

Liebe Gruesse aus Potosí

Ivonne & Dominik