Potosí - La Paz

Donnerstag, 22. Mai 2008

Potosí - Betanzos - Tambo Aqhachila - Sucre - La Paz

Um 9 Uhr wollten wir los Richtung Sucre, doch da war nix zu machen. Fuer andere Velofahrer, bzw. fuer ein Rennvelorennen wurde die gesamte Strasse zwischen Potosí und Sucre gesperrt. So hauten wir uns gleich nochmals aufs Ohr und gingen gegen Mittag ins Zielgelaende. Unglaublich was 20 Minuten vor Ankunft des Feldes dort noch alles schnell montiert und gebastelt werden musste. Die Fahrer waren nicht zu beneiden, war doch der Schlussspurt in der steilen Antofagasta, dort wo wir vor ein paar Tagen nur noch stossend hoch kamen… Um 14 Uhr radelten wir dann doch noch los und liessen es erst mal deftig rollen. In Betanzos quartierten wir uns im Alojamiento Cobacabana ein, nachdem wir das von aussen sehr schoen aussehende Alojamiento Mirador dankend ablehnten. So ein Dreckloch haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Im Cobacabana gab’s kein fliessendes Wasser, doch die Señora hat fuer uns extra noch das WC geputzt und die drei Maedels hatten riesen Freude, den ganzen Abend lang mit den Gringos zu spielen. Vom Gordischen Knoten ueber «Lueged nid umme dr Wolf goht umme» bis zum Farben-Verkaeuferlis haben wir alles mitgemacht…

Pura bajada, no más - reine Abfahrt, da waren sich die Bolivianos einig. Macht ja auch Sinn. Potosí liegt auf rund 4000mueM und Sucre auf 2800mueM. Dass es auch auf dieser Strecke immer wieder hoch und runter ging, will hier keiner glauben. Und selbst wenn wir unter 2800mueM waren, haben uns immer alle versichert, dass es nun nur noch runter geht…

Oben an einer dieser etlichen Steigungen liegt das Mini-Doerfchen Tambo Aqhachila, wo wir uns erschoepft an den Schuldirektor wenden. Fuer ihn ist die Sache klar. Selbstverstaendlich duerfen wir - die ersten Gringo-Besucher - in der Schule uebernachten. Fuer uns wird sogar das Klassenzimmer noch gewischt und abends wird der Pausenplatz mit Flutlicht erhellt, so dass wir Fussball (Dome) und Gummitwist (Ivonne!!!) spielen koennenmuessen... Die Dorfkids sind jedenfalls ziemlich beeindruckt und fahren mit unseren Velos pausenlos Runden auf dem Schulhausplatz. Und immer wieder kommt die Frage "Was kostet.....?". Wir haben leider nur sehr selten eine Ahnung, die Velos haben wir selber gebaut und die Schuhe sind schon 10 Jahre alt... Manchmal ist's nervig, da sie sich, selbst wenn wir masslos untertreiben wuerden, keine Vorstellung von solchen Betraegen Preisen machen koennen. So mussten wir auch unser Auto verkaufen fuer diese Reise und eine «casa» besitzen wir schon gar nicht. Als wir irgendwann unsere mobile Kueche auspacken und anfangen zu kochen, bekommen sie vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Gespannt verfolgen sie unser Gekoeche, doch probieren will dann doch keiner…

Am folgenden morgen erzaehlen wir in der Klasse von der Schweiz, den Gegensaetzen zu Bolivien und unserer Reise. Erschreckend ist, wie wenig Ahnung die Schueler und die Lehrer haben von Bolivien, geschweige denn von Europa… Etwas enttaescht waren sie, als wir ihnen erklaeren mussten, dass in der Schweiz nicht englisch gesprochen wird, zumindest nicht als Muttersprache. Das beste war, als sie schaetzen sollten, wie viele Kilometer wir bereits per Velo zurueckgelegt haben. Nachdem die Kids zwischen 250km und 370km getippt haben, meinte die Lehrerin, das muesse definitiv mehr sein. Ihre Antwort: 560km ;-)

Um etwa 10 Uhr schwangen wir uns dann wieder auf unsere Velos, verabschiedeten uns von der Schule und schon bald fanden wir uns Mitten im Velorennen… Heute stand naemlich die Rueckfahrt von Potosí nach Sucre an. Die Fahrer und vor allem auch die Teamwagen hatten eine riesen Freude an uns, winkten und schossen zahlreiche Fotos. Selbst von den vereinzelten Zuschauern wurden wir angefeuert.

Am Nachmittag erreichten wir Sucre, die Hauptstadt von Bolivien und genossen dort ein paar Tage das deutlich waermere Klima. Schoen nachmittags endlich wieder mal im T-Shirt rumlaufen zu koennen! Auch sonst gefiel uns diese Stadt sehr gut. Die zahlreichen Kolonialhaeuser sind hell, der Mercado Central lebendig, die Fruchtsaefte reich an Vitaminen und die Schoggi leider nicht ganz so gut wie in Bariloche. Am Sonntag fuhren wir mit dem Bus nach Tarabuco zum beruehmtesten Sonntagsmarkt der Region. Die campesinos verkaufen in ihren farbenfrohen Trachten alle Arten von Handarbeiten. Vom Webteppich ueber Alpaka-Muetzen bis zu diversen farbigen Tuechern. Zum ersten Mal kamen wir in Kaufrausch und mussten zurueck in Sucre gleich zum Postoffice…

In Tarabuco trafen wir per Zufall auch endlich die franzoesischen Velofahrer mit ihrer Tochter Nina, welche uns in den letzten Tagen immer eine Nasenlaenge voraus waren. Wir hoerten immer nur von ihnen und sahen ihre Radspuren auf der Strasse.

Am Montag hiess es dann schon wieder packen und zum Busbahnhof radeln. Da uns die Zeit langsam davon laeuft, haben wir uns entschlossen, mit dem Bus nach La Paz zu fahren. Wir leisteten uns Bus - Cama (Liegebetten) fuer knappe 20 Franken und so wurde die rund 11-stuendige Fahrt noch ganz ertraeglich. Morgens frueh kamen wir am Busbahnhof in La Paz an und stuerzten uns ins Abenteuer «Taxi-fahren in La Paz». Die sichersten und offiziellen Taxis (Taxifahrgastueberfaelle haeufen sich) sollen die Radio-Taxis sein, welche man an der Nummer auf dem Dach und an der Seite sowie am Funkgeraet erkennen kann. Als wir da aber so vor diesen Taxis standen, fanden wir diese Erkennungszeichen ploetzlich ziemlich einfach imitierbar. Da gibt es nur eins, Augen zu und durch… Velos und Gepaeck in ein Kombi laden und zu zweit auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und hoffen, man kommt am richtigen Ort an. Hat dann auch alles bestens geklappt & kurz vor 7 Uhr erreichen wir die Oase "Hotel Oberland" etwas ausserhalb von La Paz.

Wir fuehlen uns hier wirklich wie im Paradies. Ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und Kabelfernseher, Heizung, einem richtigen Duvet (!!!), ein suuuuuper feines Zmorge-Buffet mit Zopf, Fruchtsalat, Muesli, Joghurt, Wurst, Kaese und Eiern (und das erst noch bis 11 Uhr - endlich wieder mal ausschlafen!), Schwimmbad, Beach-Volley-Feld und diversen kleinen Sachen, die wir nun schon ueber 4 Monate nie hatten (z.B. Hair Conditioner, Bettmuempfeli, Trinkwasser zum Zaehneputzen, etc. etc.). Dies alles ist zwar etwas bonzig fuer bolivianische Verhaeltnisse, doch nach zig Tagen ohne fliessend Wasser, kalten Naechten und einfachsten Verhaeltnissen, geniessen wir diesen Luxus doppelt! An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschoen an die vielen «Sponsoren» unter euch, die uns dies ermoeglichen! Wir denken immer wieder an euch!!!

La Paz ist aufregend und lebendig. Per Minibus geht es quer durch den Talkessel in etwa 30 - 40 Minuten ins Zentrum. Heute fuhren wir dann gleich weiter hoch nach El Alto zum groessten Markt (feria 16 de Julio) der Region. Vom Autopneu ueber Tueren, Inneneinrichtungen, TVs und gebrannten CDs bis zu Kleidern und Schrauben jeglicher Art, wird alles angeboten. Zudem hat man von hier eine super Aussicht auf den mit Haeusern gefuellten Talkessel und den typischen Schneeberg Illimani (6’439mueM)im Hintergrund.

Fotos folgen demnaechst…

Herzliche Gruesse

Dominik & Ivonne