Cusco

Freitag, 13. Juni 2008

La Paz - San Pedro de Tiquina - Copacabana - Isla del Sol - Julí - Puno - Arequipa - Puno - Pucará - Santa Rosa - Aguas Caliente - Combapata - Urcos - Cusco

Etwas spaeter als geplant (wieder mal an die Kloschuessel gefesselt), verliessen wir die Oase Oberland und fuhren mit dem Taxi bis nach Río Seco, etwas ausserhalb von La Paz. Wir wollten uns das Puff, die Abgase und die Steigung raus aus La Paz nicht antun.

Endlich durften wir nun aber mal das woertliche Altiplano erleben. Hoch und eben fuhren wir entlang der imposanten Cordillera Real dem Titicaca See entgegen. Der Titicacasee empfieng uns mit stahlblauem Wasser und wolkenlosem Himmel. Wir genossen die Fahrt, auch wenn es nun schon wieder hoch und runter ging, und die grandiose Aussicht auf den unendlich grossen See. In Tiquina ist eine Seeenge, die nur per Holzfaehre uberquert werden kann. Auf der anderen Seite quartierten wir uns bei der Armada de Bolivia auf dem Picknick-Platz ein, wo wir zum zweiten mal in Bolivien endlich wieder mal unser Zelt aufschlugen.

Am naechsten Tag erreichten wir Copacabana, welches als DER Wallfahrtsort bekannt ist. Von hier aus besuchten wir die Isla del Sol (Sonneninsel), welche als Wiege des Inka-Reiches gilt. In der Mythologie der Inka soll der Sonnengott Inti seine Kinder, den ersten Inka Manco Cápac und seine Frau Mama Ocllo, auf einem Felsen der Isla del Sol zur Erde gelassen haben. Im kleinen Doerflein Challa uebernachten wir in einer sehr netten und familiaeren Hospedaje und zum Znacht gibt es wieder einmal trucha (Forelle) vom See. Die Forellen sind aber keine einheimischen Fische. Sie wurden vor Jahren im Titicaca See ausgesetzt, um die Bewohner mit proteinhaltigen Fischen zu versorgen.

7km nach Copacabana ueberqueren wir die Grenze nach Peru zwei Tage zu spaet. Dies war aber mit dem Begleichen einer kleinen Gebuehr ueberhaupt kein Problem und in Peru erhielten wir zum Glueck wieder 90 Tage in den Pass gestempelt.

In zwei Tagen quaelten wir uns nach Puno…

In Puno finden wir nach laengerem Suchen auch endlich ein Hostal mit wirklich warmem Wasser. Neu ist fuer uns, dass wir selbst fuer Hotelzimmer immer feilschen muessen, um nicht auf die Gringo-Preise reinzufallen. Die Peruaner sind wohl definitiv schlitzohriger und die besseren Geschaeftsleute als die meist eher blauaeugigen Bolivianer.

Nach einem kurzen Abstecher zu den schwimmenden Inseln der Urcos, was einer inszenierten Touristen-Show gleichkommt, stellen wir unsere Velos ein und fahren mit dem Bus nach Arequipa. Wir brauchen ein paar Tage Erholung, da wir gesundheitlich immer noch nicht wirklich fit sind. Im angenehm warmen Arequipa geht dies aber besser als im frostig kalten Puno. So geniessen wir ein paar Tage Sonne, gehen auf Shopping-Tour, planen unsere letzten Wochen in Peru und schlendern durch die weisse Stadt Arequipa.

Zurueck in Puno satteln wir zum letzten Mal unsere Raeder. In 6 Tagen moechten wir bis ins 390km entfernte Cusco radeln. Auch wenn wir auf dieser Strecke den hoechsten Punkt unserer Reise (Abra La Raya - 4343mueM) erklimmen, ist es mehr der Wind, der uns ein letztes Mal fordert. Wir fahren meist schon um 8 Uhr los, doch der Wind laesst meist nicht lange auf sich warten… Nach dem Pass wir die Landschaft zunehmend gruener und es wird fleissig Landwirtschaft betrieben. Doch Traktoren sucht man vergebens - hier wird noch alles von Hand gemacht.

Hello Mister, hola gringo, okay, guudmorning tiitscher - so toent es immer wieder, wenn wir durch die kleinen Doerflein radeln und uns die Kinder mit grossen Augen und offenem Mund nachschauen. Manchmal folgt dann auch noch «dame plata» (gib mir Geld), «quiero caramelo» (ich moechte Bonbons) etc. Nichtsdestotrotz erleben wir die Bevoelkerung nett und herzlich und wir empfinden die Gringo-Rufe nicht als negativ. Meist sind die Kinder einfach nur sehr erstaunt ueber die Gringos auf dem Rad, die manchmal sogar halten und ein paar Worte wechseln. Auch sonst sind wir staendig am Winken und Gruessen.

Gestern sind wir nach fast 4500km in Cusco - der Endstation unserer Veloreise - angekommen. Wir haben in den letzten 5 Monaten 74 Tage, bzw. ueber 294 Stunden auf dem Velo verbracht, dabei 4476km zurueckgelegt und 47’672 Hoehenmeter erklummen. Marathon Schwalbe XR sei Dank, wir mussten nur ein einziges Mal einen explodierten Schlauch wechseln. Ansonsten hatten wir nicht einen Plattfuss, was bei diesen Strassen und den vielen Scherben entlang der Strecke ein wahres Wunder ist! Dafuer mussten wir dreimal schweissen, haben einen angebrochenen Gepaecktraeger, eine gebrochene Schiene an der Ortlieb Tasche und bis zum Schluss sogar 2 gerissene Hinterradfelgen (bei beiden Velos einmal)…!

Die Zeit verging unglaublich schnell und wir sind nun fast ein bisschen wehmuetig, dass die Velo Zeit bereits durch ist. Auch wenn es nicht immer einfach war, haben wir das Velofahren in Chile, Argentinien, Bolivien und schlussendlich auch in Peru sehr genossen und es wird wohl nicht unsere letzte Reise mit dem Velo gewesen sein…

Doch es wird uns in den letzten Wochen nicht langweilig und wir freuen uns auf die Abenteuer ohne Velo. Morgen geht’s schon los. Mit dem Zug fahren wir nach Aguas Caliente und am Sonntag werden wir Machu Picchu und die letzten Inka-Geister aufstoebern. Spaeter werden wir einen Abstecher in den peruanischen Dschungel, die Selva, machen und mit den Muecken tanzen. Und alles weitere folgt dann noch…

Hasta pronto - in einem Monat sind wir schon zurueck…

Dominik & Ivonne