Lima

Dienstag, 8. Juli 2008

Cusco - Machu Picchu - Cusco - Tambopata - Cusco - Lima - Paracas - Lima

Lange, lange ist es her, dass mal zwei Velofahrer aufgebrochen sind, um Suedamerika zu entdecken. Die Velos sind nun schoen verpackt in zwei Kartonschachteln und listo fuer den Rueckflug. Nicht, dass sie gar nie ausgepackt wurden…. aber das weiss der aufmerksame Lerser unserer Webseite, der in den letzten Wochen jedoch etwas gar wenig Lesestoff erhielt. Also rollen wir die letzten Velo-freien Wochen nochmals von vorne auf.

Da rollten wir doch tatsaechlich kurz nach unserer Ankunft in Cusco mit dem Zug in kurzweiligen 5 Stunden nach Aguas Calientes. In weiser Voraussicht haben wir die Rueckfahrt erst fuer den Folgetag gebucht, sonst haette es einen unvergnuegsamen Ruinen-Sprint gegeben. So hatten wir aber genuegend Zeit, Aguas Calientes zu besichtigen… Abgesehen von zig Restaurants, noch mehr Hostales und ueberteuerten Preisen gibt’s aber nicht viel zu sehen. So packten wir unseren Rucksack und machten uns auf den Weg, den Hausberg Putucusi zu erklimmen. Ueber steile Treppen und holzige «Inka»-Leitern kletterten wir in rund einer Stunde hoch zum Gipfel, von wo aus wir einen ersten Blick auf Machu Picchu werfen konnten. Trotz Hoehenangst und sauren Beinen am andern Tag hat sich die Besteigung gelohnt und ist sehr empfehlenswert.

Mit hunderten von Touris nahmen wir um 5h30 einen Bus hoch zum Eingang der Ruinen, wo wir aber zuerst in die Reihe stehen mussten, bis dann endlich um ca. halb 7 die Tore geoeffnet wurden. Die Ruinenstadt hat uns mit all seinen Bauten, Tempeln und praezis aufeinander gepassten Steinen fasziniert. Unvorstellbar wie dies damals von Menschenhand mit wohl einfachsten Mitteln und ohne Computer berechnet und erbaut werden konnte. Die Tatsachen, dass du da oben nie alleine bist und dass das ganze Spektakel eine riesige Abzockerei ist, muss man wohl oder uebel einfach in Kauf nehmen.

Kaum zurueck in Cusco brachen wir schon wieder auf und machten uns auf die Suche nach dem Jaguar. In einer Lodge am Tambopata Fluss mitten in der Selva (Urwald) genossen wir vier unvergessliche Tage in ungewohnter Waerme. Auf unseren Spaziergaengen durch den Urwald beobachteten wir unzaehlige Vogelarten und Papageie, sichteten auf der naechtlichen Boottour Kaimane am Flussufer und assen tropische Fruechte bis das Vitamin C zu den Ohren raus hieng. Nur der Jaguar liess sich leider nicht blicken.

In Cusco empfieng uns dann wieder die Kaelte und das groesste Fest von Cusco, das Inti Raymi - das Sonnenfest, welches am 24. Juni seinen Hoehepunkt erreicht. Schon Tage zuvor herrscht auf der Plaza de Arma «Fasnacht» mit Umzuegen und Taenzen in den farbigen traditionellen Kostuemen. Am 24. folgt das Inka-Schauspiel, bei welchem dem Sonnengott ein Lamaherz geopfert wird. Wir verfolgen das Spektakel, welches in den Ruinen von Saqsaywaman (bei Biker Joe auch als Sexy Woman bekannt) stattfindet, mit abertausenden Einheimischen. Auf engstem Platz wird gegrillt, Meerschweine gegessen, Fussball gespielt und geschlafen.

Apropos Meerschweine… Auch wir konnten der Versuchung nicht wiederstehen und haben uns in Pisac die Delikatesse «Cuy al horno» (Meerschein aus dem Ofen) bestellt. Nach langem Knagen und Suchen haben wir nicht viel Fleisch gefunden und der Anblick des Kopfes mit den beiden Nagezaehnen auf dem Teller foerderte den Appetit nicht wirklich. Eine EINmalige Erfahrung.

Als wir unsere Stahlesel bereits etwas vermissten, schwangen wir uns auf ein Pferd, um die naheliegenden Ruinen zu besichtigen. «Muy tranquillo» sollten uns die Pferde von Ruine zu Ruine tragen. Gut geschuettelt wie ein rechter Pisco Sour mit leichten Beschwerden am Hinterteil kamen wir zum Glueck wieder heil nach Hause und unser Fazit: lieber ein Stahlesel den man dauernd treten muss, der aber bestimmt macht, was man ihm befiehlt!

Der Flug von Cusco nach Lima verlief gut und kurz vor Lima tauchten wir in den winterlichen Kuestennebel ein. Der von Andrea (Cousine von Ivonne) organisierte Abholdienst klappte perfekt und schon bald standen wir auf der Plaza de Armas, wo wir Kiko (Mann von Andrea) kennen lernten. Nach einer kurzen Besichtigung des Zentrums fuhren wir zu Hans (Ivonnes Onkel) und Meni nach Surco.

Die folgenden Tage verbrachten wir mit ihnen in und um Lima. Wir besuchten Andrea und Kiko in Pachacamac, besichtigten das Zentrum von Lima, stolperten mit offenem Mund durch riesige Supermaerkte und Shopping-Mall (das haben wir schon lange nicht mehr gesehen….), spazierten mit den Hunden ums peruanische «Pentagon» und liessen uns die feine peruanische Kueche schmecken.

Schon bald hiess es wieder «Koffer» packen und wir fuhren in 3 Stunden ins suedlich gelegene Paracas, wo Hans und Meni ein Strandhaus besitzen. Dort verbrachten wir mit ihnen 6 tolle Tage mit Strandspaziergaengen, kayaken durch die Bucht, Ausfahrten in das Naturreservat Paracas, Fisch essen, Bootsausflug zu den Ballestas Inseln, wo wir unter anderem endlich Pinguine zu Gesicht bekamen, Sandduenenfahrt mit einem Strandboogy, erste Versuche im Sandboarding, Besuch der riesigen Zitrusfruchtplantage eines Freundes, relaxen und geniessen der Sonnenuntergaenge und ein Sprung in den Pool (19ºC) durfte auch nicht fehlen. Andrea und Kiko besuchten uns ueber das Wochenende ebenfalls. Es ist toll, den «peruanischen» Teil der Kehlschen Familie endlich einmal richtig kennen gelernt zu haben. An dieser Stelle euch allen ein herzliches Dankeschoen fuer eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit!

Fuer uns kaum vorstellbar. Vor knapp einem Jahr bebte die Erde in diesem Gebiet heftig und der folgende Tsunami hat die ganze Region verwuestet. Noch heute sieht man an manchen Orten die bleibenden Schaeden. Viele breite Risse entlang der Kueste zeugen von heftigen Erdbewegungen, wodurch auch das Wahrzeiches des Naturreservat Paracas, die Katedrale - ein Felsbogen der ins Meer hinaus ragt, in die Brueche ging.

Gestern sind wir zurueck nach Lima gekehrt, wo wir noch die letzten Tage verbringen, bevor wir am Freitag schweren Herzens den Heimweg unserer Reise antreten werden. Wir freuen uns zwar auf viele Dinge: Familie, Freunde, eigenes Bett, endlich mal wieder andere Kleider, e feins Raclette, Sommergrillabende, e feins Buurezmorge mit Zopf und Honig etc. etc.. Doch eins ist jetzt schon gewiss: uns wird das Reisen und das unbeschwerte Leben in Suedamerika fehlen.

Hier noch ein paar Impressionen der letzten Wochen: Cusco - Lima

Herzliche Gruesse & hasta pronto

Dominik & Ivonne