Lima - Allschwil

13. August 2008

…ausgeträumt!

Schon einen Monat ist es her, dass wir in Zürich wieder in der Realität gelandet sind. Wir wurden herzlich von unseren Lieben empfangen und gleich zu einem feinen und gemütlichen Raclette eingeladen. Davon haben wir in Südamerika öfters geträumt.

Kaum ein paar Tage zu Hause hiess es schon wieder Koffer packen und dann ging es ab ins Pfadi Bundeslager. Dort haben wir mit 25’000 anderen Pfadis 2 tolle Wochen verbracht. Für uns war es somit ein schonender Einstieg in den Schweizer Alltag. Wir durften im Zelt und auf unseren Mättelis schlafen und den ganzen Tag im Freien verbringen… Doch nun hat auch schon wieder der Arbeitsalltag begonnen und man ist wieder schneller im alten Trott, als man davon wegkommt.

Wir werfen nochmals ein paar Blicke zurück:

Ivonne:

Als Dominik zum ersten Mal mit der Idee einer Veloreise kam, hatte ich einige Bedenken. Nachdem ich dann aber etliche Reiseberichte von Tourenradlern gelesen habe, war auch für mich klar, dass wir unbedingt mit dem Velo aufbrechen wollen. Nichtsdestotrotz blieben Zweifel, ob ich dies überhaupt schaffen würde… Und etwas später standen wir plötzlich in Victoria am Busbahnhof mit zwei beladenen Velos, listo für das grosse Abenteuer. Auch wenn es manchmal unglaublich anstrengend war, wenn ich die schlechten Strassenverhältnisse verflucht habe, der Hinter schmerzte, die Sonne brannte, die Beine schwer wie Blei waren, der Schnee ins Gesicht blies, die Finger abgefroren waren oder sich die fletschenden Hunde auf meine Wädli stürzten, nie auf der ganzen Reise wollte ich mit einem Backpacker tauschen. Mit dieser langsamen Art des Reisens waren wir so nah an den Menschen und hatten Zeit, Land und Leute wahrzunehmen und zu erleben. Oft haben uns unsere biciclettas auch Türen geöffnet und wir kamen ständig mit der Bevölkerung ins Gespräch.

Wenn ihr mich fragt, was denn am Schönsten war… nein, es waren nicht die wunderschönen Seen in Chile, nicht die unendlichen Gletscher in Patagonien, nicht die atemraubenden Höhen in Boliven und auch nicht das abwechslungsreiche Essen in Peru, sonder einzig die Tatsache, dass wir unseren Traum verwirklicht haben und all die bereichernden Begegnungen unterwegs gemeinsam erleben durften.

Dominik:

Schuld an dieser Reise ist meine Mutter, die mir vor einiger Zeit das Buch von Claude Marthaler, der sieben Jahre mit dem Velo um die Welt fuhr, geschenkt hat. Seine Abenteuer haben mich so fasziniert, dass ich mir sagte: Das will ich auch erleben. Danach brauchte es erst einmal etwas Überredungskunst, meinen Chef von einem halben Jahr unbezahltem Urlaub «zu begeistern». Als dies geschafft war, gings an die Planung und an das sukzessive Anschaffen der Ausrüstung. Welcher Schlafsack, welcher Kocher, welches Velo und und und. Nun sind wir schon wieder zurück und ich möchte keine Pedalumdrehung, keine Abbiegung, kein erklummener Höhenmeter und keine Bremsung missen, die wir in den vergangenen Monaten machten. Chile und Argentienien waren ein hervorragender Einstieg in das Südamerikanische Leben und lernte uns vieles lockerer und relaxter anzugehen und jeden Tag zu nehmen wie er kommt. In Bolivien und Peru realisierten wir wieder einmal, wie schön es ist, in der Schweiz geboren zu sein und das Privileg zu besitzen, sich bilden zu können. Wir erlebten die meist sehr primitiv und einfach lebende Bevölkerung sehr herzlich und freundlich, und haben nur gute Erfahrungen gemacht. Mi casa es muy pequeño, pero mi corazón es muy grande! Mit diesem Motto wünsche ich euch allen, dass ihr die Chance packt und eure Träume lebt.



Wir sind glücklich, dass wir unsere Reise unfallfrei und gesund erlebt haben und möchten an dieser Stelle danken:

Keep on cycling!