Luang Prabang - Chiang Mai

16. Januar 2011

Heugumper zum Apero, scharfes Gemüse und Schwein mit Klebreis zum Hauptgang und «Grossmutters» trockene Weihnachtsgutzi zum Dessert. Dazu Beer Lao, Minus Weihnachtsgeschichte und Busmotorengeheul statt Jingle Bells. Frohe Weihnachten in Laos!



Luang Prabang ist die zweitgrösste Stadt von Laos und liegt wunderschön am Mekong. Wir verbringen ein paar erholsame Tage, besichtigen einige Tempel, geniessen das vielfältige Essensangebot, schlendern über den Nachtmarkt und erholen uns im gemütlichen und ruhigen Garten unseres Guesthouses (Oudomphong Guesthouse II).

Am 24. Dezember brechen wir zusammen mit den Australiern auf zu neuen Taten und schon bald liegt das noch verschlafene Luang Prabang hinter uns. Trotz schweren Taschen, die wir mit frischen Baguette-Sandwiches und Vache-qui-rit-Käsli gefüllt haben, kommen wir in den noch kühlen Morgenstunden zügig voran. Ein grosser Teil der Strecke verläuft entlang eines Flusses, doch die Strecke zerrt an den Kräften, denn sie ist alles andere als flach. Es ist ziemlich hügelig und geht ständig hoch und runter. Es wird der «Tag der Schaltung» - wir sind ständig auf der Suche nach dem richtigen Gang. An einer Strassenkreuzung haben sich ein paar Häuser zu einem Dörflein gruppiert, das sich Pak Mong nennt. Wir sind froh und erschöpft als wir endlich ankommen und nach der Besichtigung der drei Guesthouses checken wir zu fünft im «Alone Guesthouse» ein. Schon bald sitzen wir alle auf der kleinen Veranda mit super Blick auf das emsige Treiben an der Kreuzung und entspannen unsere Wädli. Gespannt warten wir auf das Peleton (Feld) einer Radfahrgruppe, die als organisierte Radreise heute angeblich vom Norden her hier durchfahren sollte. Unsere Erwartungen waren grösser als das Feld. Trotzdem jubelten wir wie die Irren von unserer Veranda als die paar ausgepumpten Radfahrer hinter dem Besenwagen her an uns vorbei strampelten. Endlich konnten wir duschen gehen und uns fein rausputzen für den Heiligabend. Die Restaurantwahl fiel wegen dem grossen Hunger relativ speditiv aus und war nicht allzu schwierig, da die Auswahl sehr beschränkt war. Schwierig war dann eher das Bestellen des gefüllten Truthahns. Sie hat unsere laotischen Bestellversuche wohl einfach nicht so richtig verstanden und stattdessen bekamen wir ein Schäleli Heugumper und immerhin ein kühles Bier dazu. Zum Hauptgang wurde uns Gemüse mit Schweinefleisch und Klebreis gereicht. Zurück auf der Veranda haben wir einer Weihnachtsgeschichte von Minu gelauscht. Maureen war ganz angetan, obwohl sie wohl kaum etwas verstanden hat. Und dann war es endlich Zeit für die Bescherung und die Weihnachtsgutzli, die von der Sorte „Sandsturm-Chräbeli“ nach Grossmutters Art waren. Es war wohl kaum nach 21.00 Uhr als wir müde und zufrieden in die besonders „weichen“ Kokosmatratzen-Betten sanken!



Nach dem Motto „ein harter Tag ist kein harter Tag“ schwangen wir uns am Weihnachtstag kurz nach 7.00 Uhr auf den Sattel und machten uns auf Richtung Oudomxay. Morgens ist es noch ziemlich frisch und wir fahren die erste halbe Stunde noch langärmlig. Die Strecke führt vorbei an kleinen Dörflein, wo morgens meist nicht allzu viel geht. Das ganze Dorf sitzt in warmen Jacken entlang der Strasse um kleine Feuer und Gross und Klein versuchen sich daran zu wärmen. Nach 30 Km erreichen wir an diesem Tag den ersten Gipfel und die Beine sind schon ziemlich schwer. Mittagsrast machen wir in einem kleinen Dörflein in einem winzigen, unscheinbaren Restaurant. Nur die Chili-Sauce auf dem Tisch verrät, dass es sich um ein Restaurant handeln könnte. Wir bekommen eine Nudelsuppe mit vielen Nudeln und etwas speziellem Huhn. Schlecht kann das etwas schwarze Hühnerfleisch aber bestimmt nicht sein, der Koch zieht nämlich extra zum Kochen eine Maske an! Wir sind jedenfalls froh, im Schatten etwas zum Beissen zu bekommen. Nach weiteren Anstiegen und Abfahrten erreichen wir nach knapp 6.5 Stunden im Sattel und erstmals schlechten Strassenverhältnissen (teilweise fehlender Strassenbelag) kurz vor dem Eindunkeln die chinesisch geprägte Stadt Oudomxay.

Am folgenden Tag ist schon wieder um 6.00 Uhr Tagwache, da wir mit 120km rechnen. Schlussendlich sind es dann aber „nur“ 95km, die uns durch ein super schönes und fruchtbares Tal führen. Es wird Reis, Mais und Baumwolle angebaut und in den Dörfern wird gewebt und gesponnen. Euphorische Kinderscharen winken uns auch hier vom Strassenrand zu und klatschen im Vorbeifahren mit uns ab. Wir stellen uns immer wieder vor, was / bzw. wer in der Schweiz durch ein Dorf fahren müsste, damit die Kinder mit einer solchen Begeisterung und Freude auf die Strasse rennen würden?

Wir finden abends ein nettes Guesthouse und wir spielen bis zum Eindunkeln zur Freude der nachbarlichen Mönche Boules. Ein beliebtes Überbleibsel aus Zeiten der französischen Kolonie. Danach essen wir das lokale Restaurant leer. Es serviert uns Unmengen von Gemüse, Eier, Fleisch, Suppe und Reis und wir putzen alles weg! Sie müssen sogar noch per Töff Biernachschub im Dorf besorgen und weitere Gäste werden wegen leeren Töpfen wegwiesen.

Frisch gestärkt nehmen wir den letzten Velotag in Laos etwas später als üblich in Angriff. In 52km radeln wir nach Pak Beng am Mekong. In Pak Beng ist immer nur abends von ca. 17.00 Uhr bis morgens um 9.00 Uhr etwas los, wenn das Dorf von einer Schar von Touristen überflutet wird, die mit den Schiffen auf dem Mekong unterwegs sind und hier für die Übernachtung anlegen. Wir haben den Vorteil, dass wir uns in aller Ruhe ein Guesthouse aussuchen können (das Angebot ist riesig!) und die Preise sind nachmittags noch wesentlich günstiger als Abends, sobald die ersten Boote angelegt haben.

Unser letzter Tag in Laos verbringen wir auf dem Mekong auf einem Slowboat, das uns in 7 Stunden nordwärts nach Houay Xai bringt. Die 5 Velos werden auf dem Dach verstaut und wir sind froh, dass wir nicht – wie die meisten Touristen – zwei Tage auf dem Boot verbringen müssen. Obwohl wir die raren bequemeren Sitze schon früh morgens für uns reservieren konnten, schmerzt uns der Hinter nach 7 Stunden ziemlich. Wir möchten wieder aufs Rad! :-)
Die Fahrt verlangt vom Kapitän vollste Konzentration, da er zumindest im ersten Teilstück ständig um die herausragenden Felsen navigieren muss. Wir geniessen das langsame Tempo und die schöne Landschaft!

In Houay Xai ist die Grenze bereits geschlossen und so übernachten wir noch ein letztes Mal in Laos. Am anderen Morgen spricht uns beim Beladen der Räder ein Deutscher an, der normalerweise auch mit dem Velo unterwegs ist. Er vermacht uns seine Thailand-Karte und einen nigelnagelneuen Thailand-Reiseführer! Wow, was für ein Glück!
Mit der Fähre geht es über den Mekong nach Thailand und somit auf der linken Strassenseite weiter. Wir radeln nach Chiang Saen und machen von dort einen Abstecher zum goldenen Dreieck. Viel spektakulärer als „unser“ Dreiländereck ist es eigentlich nicht. In einem kleinen Park steht das „Golden-Triangle-Gate“ und etwas weiter thront ein riesiger goldiger Buddha am Ufer des Mekongs. Die Fahrt nach Chiang Rai verläuft zügig aber nicht all zu interessant. Die Strasse ist breit, die Strecke flach, der Verkehr nimmt zu und ein Ananasstand am andern säumt zwischenzeitlich den Strassenrand.

In Chiang Rai lassen wir dann am 31. Dezember die Korken knallen! Bei einem grossen Strassenfest füllen wir uns die Bäuche mit dem vielfältigen Essensangebot und stossen um Mitternacht mit Chang Bier (Elefanten-Bier) aufs neue Jahr an. Für mehr Details, siehe Bilder! :-)

In Chiang Rai besichtigen wir das Blumen-Festival und radeln zum weissen Tempel etwas ausserhalb der Stadt. Die Anzahl Touristen haut uns fast um. Wir haben den Eindruck, dass halb Thailand in Chiang Rai Neujahrsurlaub macht! Da Radfahren in Thailand nicht allzu viel Freude bereitet hat und wir auch nicht mehr allzu viel Zeit haben, fahren wir mit dem Bus nach Chiang Mai.

Von Chiang Mai aus besuchen wir für zwei Tage den Nature Elephant Park. Der Nature Elephant Park ist ein Reservat für misshandelte, gebrechliche oder verletzte Elefanten. Die Besitzerin kämpft unermüdlich für ein besseres Leben für die Elefanten. Im Park werden keine Elefantenshows gezeigt und auch keine Reitausflüge durchgeführt. Als Gast kann man beim Füttern der Elefanten mithelfen und sie beim täglichen Bad im Fluss mit Wasser bespritzen. Ansonsten gibt es viel zu beobachten und über die Elefanten zu erfahren. Wir geniessen die zwei Tage in der Nähe der gemütlichen Dickhäuter sehr, bevor wir wieder ins hektische Stadtleben zurückkehren. In Chiang Mai besichtigen wir einige Tempelanlagen, organisieren Bikeboxen und verpacken unsere Velos reisefertig, schlendern über diverse (Nacht-)märkte und lassen uns bei einem Kochkurs in die thailändischen Kochkünste einführen. Am 6. Januar flogen wir vollgetankt mit Sonne und vielen unvergesslichen Eindrücken über Bangkok und Dubai zurück in die Schweiz!

SOK DII BII MAI – HAPPY NEW YEAR!

Herzliche Grüsse
Dominik & Ivonne


Fotos zum Bericht findet ihr hier.